Gustav Schiefler, 1857 in Hildesheim geboren, kommt 1888 als Amtsrichter nach Hamburg. Er wird Landesrichter und geht 1914 als Landgerichtsdirektor in Pension. Aus der Ehe mit Luise von Rose gehen vier Kinder hervor. Schiefler stirbt 1935 in Mellingstedt bei Hamburg.

Sein Leben steht vor allem im Zeichen seiner künstlerischen Neigungen. Der Jurist wird zum Kunstsammler, Kunstförderer und Kunstkritiker. Fritz Schumacher sagt von ihm, dass er "Hamburgs kulturelles Leben unsichtbar mitregiert" habe.
Gleich nach seiner Übersiedlung nach Hamburg lernt Schiefler Alfred Lichtwark kennen. Diese Begegnung wird zum Meilenstein für die Entwicklung und Vertiefung seiner Kunstinteressen. Er verehrt Lichtwark, unterstützt dessen Ideen in der Öffentlichkeit, Schiefler wird Schriftführer in der von Lichtwark gegründeten "Gesellschaft hamburgischer Kunstfreunde" und gewinnt Kaufleute und Juristen für die Kunst der Gegenwart. Durch Lichtwark lernt er Max Liebermann, Arthur Illies und Ernst Eitner kennen.

Als Alfred Lichtwark 1914 stirbt, hält er die Trauerrede.

Gustav Schiefler sammelt Munch, Nolde und Kirchner, verfasst Verzeichnisse ihrer Druckgrafik. Der Künstlervereinigung "Die Brücke" tritt er als passives Mitglied bei. Als Vorsitzen- der der "Hilfskasse für hamburgische Künstler" bemüht er sich um Aufträge für Maler und Bildhauer. Daneben schreibt Schiefler zahlreiche Aufsätze über Kunst und Künstler, Kulturpolitik und Architektur, setzt sich sehr früh für die Gründung einer Universität in Hamburg ein und arbeitet an einem umfangreichen Werk zur "Hamburgischen Kulturgeschichte 1890- 1920" (erst 1985 aus seinem Nachlass publiziert). Sein Haus in der Oberstraße wird bis zum Ersten Weltkrieg Treffpunkt von Künstlern und Intellektuellen: Aby Warburg und Justus Brinckmann kommen, Dehmel, Falke und Liliencron lesen hier, häufige Gäste sind Schmidt-Rotluff, Heckel, Karl Kluth und Arnold Fiedler.

Schiefler hat mit Lichtwark vieles gemeinsam:

  • die Förderung von Kunst und Künstlern,
  • die Sammelleidenschaft,
  • die Liebe zu Hamburg,
  • das ästhetische Erziehungsideal und
  • die persönliche Befriedigung aus der Beschäftigung mit Kunst.

Sein Wirken ist auf vielfältige Weise Vorbild für die heutige Generationen. Seine Initiativen und sein Lebenswerk können heute Kunstfreunde, Vereinigungen und Unternehmen dazu ermutigen, in ihrer Bereitschaft zu Mäzenaten- und Sponsorentum in ähnlicher Weise tätig zu werden.